Neue Technologien für den Handel im Zeitalter des Agentic Commerce
Im Januar 2026 wurden neue Technologien und offene Standards vorgestellt, die den digitalen Handel im Kontext von KI-gestütztem Shopping weiterentwickeln. Im Mittelpunkt stehen sogenannte agentische Systeme, bei denen KI-Anwendungen Aufgaben im Namen von Nutzerinnen und Nutzern übernehmen – etwa Produktsuche, Beratung oder Kaufabwicklung.
Dieser Beitrag bietet einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Neuerungen: das Universal Commerce Protocol (UCP), den Business Agent, neue Datenattribute im Merchant Center sowie das Anzeigenformat Direct Offers.
Was ist Agentic Commerce?
Agentic Commerce beschreibt ein Handelsmodell, bei dem KI-gestützte Assistenten eigenständig Aufgaben entlang der gesamten Customer Journey ausführen. Dazu gehören unter anderem:
- Produktsuche und -vergleich
- Beantwortung von Produktfragen
- Durchführung von Bestellungen
- Zahlungsabwicklung
- After-Sales-Support
Bereits zuvor wurden mit dem Agent Payments Protocol (AP2) technische Grundlagen für sichere agentengestützte Zahlungen geschaffen. Nun folgen weitere Standards und Tools, um diese Form des Handels systemübergreifend nutzbar zu machen.
Universal Commerce Protocol (UCP): Offener Standard für KI-basierten Handel
Ziel und Funktionsweise
Das Universal Commerce Protocol (UCP) ist ein neuer offener Standard für agentischen Handel. Ziel ist es, die Interoperabilität zwischen KI-Agenten, Händlern und Zahlungssystemen zu ermöglichen.
UCP definiert eine gemeinsame technische Struktur, sodass unterschiedliche Agenten und Systeme ohne individuelle Einzelanbindungen miteinander kommunizieren können. Der Standard ist kompatibel mit bestehenden Protokollen wie Agent2Agent (A2A), Agent Payments Protocol (AP2) und Model Context Protocol (MCP).
Beteiligte Unternehmen
UCP wurde gemeinsam mit Unternehmen wie Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart entwickelt.
Darüber hinaus wird der Standard von mehr als 20 weiteren Unternehmen unterstützt, darunter Adyen, American Express, Mastercard, Stripe, Visa und Zalando.
Integration in AI-Umgebungen
UCP soll künftig eine neue Checkout-Funktion innerhalb des KI-Modus der Google Suche sowie in der Gemini-App ermöglichen. Nutzerinnen und Nutzer können bei teilnehmenden US-Händlern direkt während der Produktsuche einen Kauf abschließen.
Die Zahlungsabwicklung erfolgt über Google Pay unter Nutzung gespeicherter Zahlungs- und Versandinformationen aus Google Wallet. Zusätzlich ist eine Integration von PayPal vorgesehen.
Der jeweilige Händler bleibt dabei weiterhin Verkäufer (Seller of Record) und kann die Integration an individuelle Anforderungen anpassen.
Neue Merchant-Center-Attribute für Conversational Commerce
Mit der zunehmenden Bedeutung von KI-gestützter Produktsuche steigen die Anforderungen an strukturierte Produktdaten.
Im Merchant Center werden daher zahlreiche neue Datenattribute eingeführt. Diese ergänzen bestehende Produktfeeds und umfassen beispielsweise:
- Antworten auf häufig gestellte Produktfragen
- Informationen zu kompatiblem Zubehör
- Hinweise auf Alternativprodukte
- zusätzliche kontextbezogene Produktmerkmale
Ziel ist es, die Auffindbarkeit von Produkten in dialogorientierten KI-Umgebungen wie AI Mode, Gemini und Business Agent zu verbessern.
Relevanz für den Online-Handel
Die vorgestellten Entwicklungen zeigen eine stärkere Integration von KI in den digitalen Handelsprozess. Zentrale Aspekte sind:
- Standardisierung durch offene Protokolle
- direkte Kaufmöglichkeiten innerhalb von KI-Umgebungen
- dialogorientierte Kundeninteraktion
- erweiterte Produktdaten zur besseren Auffindbarkeit
- neue Werbeformate für hochintentionale Kaufmomente
Für Händler ergeben sich daraus Anforderungen an Datenqualität, Systemintegration und Kampagnenstruktur.
Fazit
Mit dem Universal Commerce Protocol, dem Business Agent, erweiterten Merchant-Center-Attributen und Direct Offers werden neue technische Grundlagen für KI-gestützten Handel geschaffen.
Die Entwicklungen zielen auf verbesserte Interoperabilität, effizientere Transaktionen und eine stärkere Präsenz von Produkten in dialogorientierten Suchumgebungen. Internationale Erweiterungen und zusätzliche Funktionen sind angekündigt.
